Kajak-Safari in Burma (Part 1)
Neue Kronenzeitung (May 1999)
Text and Photos by: Milda Drüke
Fünf Frauen paddeln, wo die Natur
noch mit sich alleine ist.
Die Reise aus der Großstadt in das unbewohnte
Urwaldinselreich Mergui vor Burma ist weit. Sie beginnt mit einem Flug durch die
Luft:
Wien Bangkok Phuket. Freundliche Stewardessen verwöhnen mit erlesenen
Speisen und Weinen und wecken mich, als Thailand unter uns grünt. Am Morgen darauf treffe
ich im Büro von Seal (SEAL) vier Fremde: Saskai, die kräftige
Holländerin, Georgina, die zarte Australierin, Pip, die sportliche
Australierin, und
Bonnie, die Energiesprühende aus Kanada, auch Mutter von Ryan, unserem Guide, der an der
Grenze auf uns wartet. Jede von uns will im Kajak zwischen einsamen Inseln
paddeln.
Weiterreise im Minibus. Immer wenn ich von einem Nickerchen
aufwache, sehe ich Kautschukplantagen, Mangobäume, Palmen, Bougainvilla und manchmal
Frauen im Sarong, die sich an schattigen Brunnen waschen und ihre langen Haare zu
schimemrnden Knoten aufstecken. Nach sechs Stunden sind wir in Ranong. Auf einem
chaotischen Hinterhof an einem Fluß wartet ein besonnener Ryan mit einem wunderbaren
Lachen und fünf wasserdichten Overalls. Wir klettern über drei Fischerboote in ein
Zodiak mit 2 x 200 PS. Langsam fahren wir eine halbe Stunde den Fluß
hinunter, vorbei an
großen hölzernen Frachtbooten und schäbigen Ladezonen. Es stinkt nach Fisch und
Abgasen. Wo der Fluß ins Meer mündet, ist das Immigrations-Büro. Ryan nimmt unsere
Pässe und kommt mit Einreisestempeln darin zurück. Zehn Minuten später atmen wir saubere
Luft,
sehen manchmal ein Fischerboot. Seal ist das einzige Unternehmen, das eine
Einreisegenehmigung in den riesigen Mergui-Archipel besitzt. Zwei Stunden sausen wir über
das Meer. Der Himmel ist limonengrün, indigoblau und rostrot. Dann grau. Warmer Regen
prasselt auf uns nieder.
Unsere Insel erreichen wir im Dunkeln. Eine Lampe auf dem
Zodiak streut Licht über die Brandung. Junge Männer kommen uns
entgegen, strecken ihre
braunen Hände nach unserem epäck und heben es hoch über ihre Köpfe. Wir rutschen vom
Rand des Zodiaks, stehen bis zur Taille im warmen Meerwasser und laufen durch die Brandung
zum Strand.
Sechzig Schritte höher flackern dicke Kerzen auf einem
gedeckten Tisch unter einem offenen Zeltdach. Kissen und Matten liegen auf der
Erde. Nia
kommt aus ihrer Open-Air-Küche und bringt uns einen Drink: "Welcome!" Sie hat
uns ein köstliches Thai-Mahl bereitet, und wir essen hungrig. In meinem Zelt lösche ich
die Sturmlampe und schließe die Augen. Die nahe Brandung donnert auf den Strand; im
Urwald gleich hinter dem Zelt zirpen, schnarren und flöten tausend fremde
Stimmen. Die
feuchte Luft liegt schwer auf der Haut. Am Nächsten Morgen erzählen Spuren vor den
Zelten von wilden Schweinen.
Beim Joggen am leeren Strand verwöhnt das Licht die
Augen,
der Sand die Füße, die Luft die Lungen, alles zusammen die Seele.
Am Rande des Camps hängen an einem Flaschenzug in einem
Baum Wassersäcke über einem grünen Sichtschutz. In den milchweißen Hälften einer
Mördermuschel liegen Shampoo und Seife. Das Duschwasser ist seidenweich. Es kommt aus dem
Fluß einer entfernten Insel. Das Früstück ist so üppig, als hätte man seine eigene
ferne Welt nie verlassen. Ryan und seine einheimischen Helfer holen das ankernde Zodiak
näher zum Strand, laden Schnorchel und Masken und Kajaks auf. Wir laufen durch die
Brandung zu dem mächtigen Schlauchboot. Ryan macht eine Räuberleiter und hilft uns
hinauf, zieht sich selbst hinauf. Dann sind wir weg. Unterwegs zwischen vielen unbewohnten
Urwaldinseln.
 
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